Lower Antelope Canyon, AZ

Felsloch im Lower Antelope Canyon

Page, Arizona (08/30/2011): Das Wetter ist sonnig und windstill. Ideale Bedingungen, den wohl bekanntesten Slot Canyon, den Antelope Canyon, zu besuchen. Der Upper Antelope Canyon ist für seine beeindruckenden Beams berühmt, allerdings sehr überlaufen. Die Chancen, einen Beam ohne Person fotografieren zu können, sind sehr gering. So haben wir uns für den nördlicheren Teil, den Lower Antelope Canyon, entschieden. Er soll darüber hinaus farbenprächtiger sein und durch seine Formenvielfalt hervorstechen. Daher wird er zur Zeit von vielen Fotografen bevorzugt. Der Lower Antelope Canyon trägt in der Sprache der Indianer die Bezeichnung Hazdistazí, was in etwa so viel wie „gewundene Felsbögen“ bedeutet.

Beim Ausstieg aus dem Canyon ist deutlich zu erkennen, wie eng er an manchen Stellen ist. ©2011 Claus Puhlmann

Beste Zeit für den Besuch: Während die Beams im Upper Canyon am besten um die Mittagszeit fotografiert werden können, bietet sich der Lower Canyon vor allem vormittags an, meist wird eine Zeit zwischen 9 und 11 Uhr empfohlen. Aber auch die Nachmittagsstunden eignen sich für den Besuch. Meiden sollte man dagegen die Mittagsstunden, da dann die am Zenit stehende Sonne den Canyon mit Licht durchflutet und die Kontrastverhältnisse das Fotografieren sehr erschweren; auch leuchten die Farben bei weitem nicht so schön rot. Der Doppel-Beam am Guardian Angel ist je nach Jahreszeit zwischen 10 und 11:30 zu bewundern. Ende August war um 10:15 Uhr der erste Beam gut zu sehen, der zweite kam dann etwa 30 Minuten später dazu.

Anfahrt: Der Antelope Canyon liegt wenige Kilometer östlich von Page, AZ. Fährt man von Page auf dem Hwy 98 östlich Richtung Kayenta, sieht man schon von Weitem das Navajo-Kraftwerk. Rechts geht es zum Upper Antelope Canyon, dessen Parkplatz schon vom Hwy 98 aus zu sehen ist. Zum Lower Antelope Canyon geht es an der Abzweigung zum Upper Canyon nicht nach rechts, sondern nach links. Nach wenigen Metern ist dann auch schon der Parkplatz auf der linken Seite zu erkennen, der über eine kurze Schotterpiste zu erreichen ist.

Anmeldung/Kosten (Stand August 2011): Je nach Andrang findet alle 15 bis 30 Minuten eine geführte Tour statt. An dem Kassenhäuschen trägt man sich in eine Liste ein, entrichtet die $6 Navajo-Nation-Gebühr und die $20 Eintrittsgebühr (Kinder von 12 Jahren und jünger zahlen $6 + $12) und wartet, bis die eigene Gruppe aufgerufen wird. Eine Voranmeldung beispielsweise von Page aus ist nach unseren Erfahrungen nicht notwendig. Möchte man die Tour zu einer bestimmten Uhrzeit beginnen, reicht es, etwa 30 Minuten vor Tourbeginn vor Ort zu sein. Der Aufenthalt im Canyon ist seit 1. Mai 2011 auf 2 Stunden begrenzt worden. Aktuelle Kosten und Beschränkungen können auf der Seite des Eigentümers nachgelesen werden: Ken’s Tours.

Fotopass: Fotografen mit Stativ empfehlen wir, sich nach einem Fotopass am Kassenhäuschen zu erkundigen. Meist wird man ohnehin darauf angesprochen. Dieser Pass kostet nichts zusätzlich, hat aber vor allem den Vorteil, das der Canyon 2 Stunden lang auf eigene Faust erkundet werden darf. Auf einige Punkte wird allerdings explizit hingewiesen: so soll man spätestens 2 Stunden nach Tourbeginn wieder am Kassenhäuschen sein (sonst wird eine Extragebühr von $20 fällig; die Rückkehrzeit ist auf dem Pass vermerkt) und die Fotografien dürfen nicht gewerblich verwendet werden.

Durch das Flötenspiel des Guides wird eine meditative Stimmung im Canyon erzeugt. ©2011 Claus Puhlmann

Tour: Je nach Andrang besteht eine Gruppe aus etwa 10-20 Personen. Diese werden zunächst an die Gedenktafel geführt, die nur wenige Meter vom Parkplatz/Kassenhäuschen entfernt ist und an das Unglück vom Herbst 1997 erinnert, bei dem durch eine Sturzflut 11 Personen ums Leben kamen. Nur etwa 50 Meter weiter befindet sich der recht enge Eingang zum Canyon. Aufgrund des engen Einstieges und der zahlreichen, zum Teil recht steilen Metallleitern kann der Besuch des Canyons nur Personen empfohlen werden, die körperlich in der Lage sind, diese Hürden zu überwinden.
Der Navajo-Guide führt die Gruppe in etwa 1 1/4 Stunden durch den 800 Meter langen Canyon, dessen sich windenden Felswände mal weiter, mal sehr eng stehen. Er erklärt die diversen Gesteinsformationen, welche Namen und Bedeutung sie bei den Indianern haben und sorgt mit Flöten- oder Gitarrenmusik für eine tolle Stimmung. Am Ende des Canyons befindet sich erneut eine Leiter, über die man den Canyon verlassen muss. Nach etwa 10 Minuten ist man dann wieder am Parkplatz. Als Fotopass-Inhaber könnte man theoretisch den Canyon wieder stromaufwärts gehen, doch wird dies meist an dem knappen Zeitbudget scheitern.

Der Beam am Guardian Angel lässt sich nur durch gezieltes Hineinwerfen von Sand in den Sonnenstrahl erzeugen. ©2011 Claus Puhlmann

Hightlights: Es gibt unzählige Strukturen, Windungen, Farbspiele u.Ä., die nur darauf warten, abgelichtet zu werden. Aufgrund der Vielzahl und einer immer subjektiven Auswahl verzichte ich auf eine ausführliche Auflistung der einzelnen Spots und beschränke ich mich auf zwei markante Erscheinungen:

  • Guardian Angel (auch: Angel Arch, Eye of the Antelope, Eye of the Eagle, Keyhole Arch, Hole in the Rock): ein an einen Adlerkopf erinnernder Gesteinsbogen (Arch) mit einem Loch, der sich etwa 150 m nach dem Eingang befindet. Durch dieses Loch fällt je nach Jahreszeit zwischen 10 und 11:30 Uhr ein Lichtstrahl. Den Beam fotografiert man am besten in Richtung des Canyoneinganges.
  • The Lion: Unmittelbar vor dem Ausgang befindet sich die Gesteinsformation, die an einen sitzenden Löwen erinnert.

Fotografieren: Das Fotografieren im Dämmerlicht des Canyons ist nicht ganz einfach. Daher habe ich einige Tipps für das Fotografieren unter diesen schwierigen Bedingungen zusammengestellt:

  • Ein Stativ ist im Grunde unverzichtbar. Zwar lassen sich auch mit kleinen Kompaktkameras und freihändig ansehnliche Bilder machen, doch kommt die einzigartige Stimmung nur durch längere Belichtungszeiten richtig zur Geltung.
  • Ein Ultraweitwinkel-Zoom im Bereich zwischen 10 und 20 mm ist ideal.
  • Die ISO-Einstellung sollte möglichst gering sein, wenn anschließend die Bilder vergrößert ausgedruckt werden sollen (empfehlenswert sind ISO 50 bis 100).
  • Eine geringe Blendenöffnung von etwa 16 bis 22 sorgt für eine ausreichende Tiefenschärfe.
  • Nur durch längere Belichtungszeiten von 5 und mehr Sekunden kommt die Rotfärbung auf den Sensor.
  • Der Blitz sollte ausgeschaltet bleiben.
  • Die Lichtsäulen (Beams) entstehen erst durch lange Belichtungszeiten und durch das Hineinwerfen von trockenem Sand in den Lichtstrahl. Dies erfordert allerdings etwas Übung, uns hat der Guide dabei netterweise geholfen.
  • Den Blick und das Objektiv auch einmal nach hinten und nach oben richten! Sonst verzichtet man auf tolle Motive!
  • Objektivwechsel oder sonstiges Öffnen der Kamera sollte aufgrund des Staubes vermieden werden.

Fazit: In Anbetracht des relativ hohen Eintrittspreises sind die Erwartungen sehr hoch gesteckt … und sie werden voll erfüllt. Es ist ein Slot Canyon der Superlative. Die 2 Stunden Aufenthalt mit Fotopass sind eigentlich zu wenig, um all die Formen und Farben zu entdecken. Auch für Kinder ist der Canyon ein Erlebnis. Durch die eng aneinanderliegenden Canyonwände, die Leitern und die Farben wird es garantiert nicht langweilig. Unsere beiden Mädchen (11 und 13 J.) waren begeistert.

Hier geht es zur Übersicht unserer USA-Südwesten-Reise 2011.


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