Hinflug – Santa Cruz Mountains

USA 1992 – Tag 1:
Orlando – San Francisco – Santa Cruz Mountains – Salinas

img195-kopie(Mai 1992) Um 6 Uhr weckte uns der gestern gekaufte Wecker. Ohne Umwege ging es gleich weiter zum Flughafen. Problemlos wurden wir unseren Mietwagen los. Nach einem letzten Blick auf das sehr schöne Flughafengebäude und Floridas sonniges Wetter hob unser Flieger pünktlich um 9.30 Uhr vom Boden ab. Eine Woche war vorüber und wir hatten so viel erlebt. Was wird wohl in den nächsten vier Wochen auf uns zukommen?

Nach 60 Minuten erreichten wir bei nach wie vor sehr schönem Wetter Atlanta, einem Hub von Delta. Der Anschlussflug nach San Francisco ging pünktlich um 12.04 Uhr.

War der erste Flug noch mit guter Sicht auf den Boden garniert, so sahen wir beim zweiten, wo wir auch einen Fensterplatz hatten, anfangs nur Wolken. Schade! Eine Abwechslung waren die vielen Luftlöcher und das Essen (Hühnchen mit Reis, Salat, Kuchen und Wecken). Nachdem wir die Rocky Mountains überflogen hatten, besserte sich die Sicht auf den Boden. Fantastisch war der Blick auf den Colorado River, wie er sich in den Fels hineingefressen hatte. So stellten wir uns den Grand Canyon vor, vielleicht noch etwas grandioser. Jedenfalls waren wir ganz vom Hocker. Überhaupt sind die landschaftlichen Gegebenheiten ganz fantastisch. Nach dem Colorado-Plateau überflogen wir das Große Becken mit der wüstenhaften Gegend, nur zwischendurch sahen wir einige Bäumchen in der kargen Landschaft. Ein Höhepunkt war der Flug über die Sierra Nevada mit den schneebedeckten Gipfeln des Yosemite Nationalparks. Schon hier oben wurde uns bewußt, was der Westen der USA uns an Naturschätzen und Eindrücken bieten sollte. Bei wolkenlosem Himmel war der Flug über diesen Teil der Erde ein einzigartiges Erlebnis.

Nach etwa vier Stunden setzten wir zum Landeanflug auf San Francisco an. Der international airport lag direkt an der San Francisco Bay, so daß wir die Bay Bridge sehen konnten. Leider war uns der Blick auf die Golden Gate Bridge und die Skyline verwehrt. Unten angekommen, klappte alles reibungslos. Sogar einen größeren Mietwagen hatten wir zum Preis des reservierten kleinen Wagens bekommen. Wie in Florida war es ein viertüriger (grauer) Ford Tempo mit allen Raffinessen.

Wir wollten möglichst schnell raus aus San Francisco. Eigentlich waren wir gar nicht in Frisco, da der Flughafen einige Meilen südlich der City liegt. Doch das wurde uns erst am Ende der Reise bewußt. Jetzt kam uns alles noch sehr groß vor, also nichts wie raus aus der Stadt. Mit einer etwas mikrigen Landkarte von der Mietwagenfirma versuchten wir unser Glück in Richtung Süden.

Den sechs-spurigen Freeway (so werden die Highways in Kalifornien genannt) nach Santa Cruz verließen wir auf die Page Mill Road, die uns in die Santa Cruz Mountains führte. Da wir uns auf dem San Andreas Graben befanden, wollten wir auch etwas von der Gewalt dieser Spalte sehen. Aus dem Reiseführer erfuhren wir vom Los Trancos „open space preserve“. Dieses Schutzgebiet befand sich in den Santa Cruz Mountains auf etwa 700 Metern Höhe. Der lohnenste Weg sollte der San Andreas Fault Trail sein. Wir ließen unseren Wagen in der Hitze auf dem Parkplatz stehen und wanderten diesen Rundweg entlang. Er führte einen Abhang hinunter in ein Wäldchen. Es war himmlisch still, hin und wieder hörte man einen Vogel. Zu sehen bekamen wir ihn allerdings nicht. Als wir nach einer Stunde (2,5 Meilen) zum Wagen zurückkehrten, hatten wir nichts vom großen Erdbeben von 1906 entdecken können. Erst jetzt fanden wir am Parkplatz eine Beschreibung des Weges, leider zu spät. Wir hätten eigentlich eine Spalte, einen verschobenen Zaun und andere Zeugnisse des Unglückes sehen müssen. Na ja, das macht nichts. So erfreuten wir uns an der wunderbaren Landschaft, der Stille und den schönen Blumen.

Unsere Fahrt ging weiter durch die Santa Cruz Mountains, auf einer sehr idyllisch gelegenen Bergstraße, vorbei an großen Redwoods (eine Art Mammutbaum) und hübschen (Schwarzwald-) Dörfern. In Santa Cruz angekommen, erwartete uns erst einmal ein Autochaos. Ebenso chaotisch ging es bei unserer Quartiersuche zu. Alle Motels, die in unseren Preisvorstellungen lagen, waren ausgebucht. Und 80 $ für ein Zimmer war uns einfach zu viel. Obwohl Santa Cruz eine sehr schöne Stadt sein sollte, verließen wir die Ortschaft, der Not der Dinge gehorchend. Auch in den folgenden Städten blieb die Zimmersuche erfolglos. Nach drei Stunden langen Suchens bekamen wir um 21.30 Uhr doch noch eine Unterkunft im Motel 6 von Salinas, allerdings handelte es sich um ein stark verrauchtes Zimmer direkt neben der Rezeption. Wir hatten es auch nur deshalb bekommen, weil wir ausländische Touristen waren und der Mann an der Rezeption nach seinen eigenen Worten ein „gläubiger Mensch war und eine gute Tat machen wollte“. Salinas war eine „heiße“ Stadt. Sie lag etwa 15 Meilen von der Küste entfernt auf der Höhe von Monterey. Der Bevölkerungsanteil an Mexikanern lag wohl bei über 90 Prozent. Die fremde Kultur und die etwas heruntergekommene Gegend ließen uns schnell den Gedanken des „Im-Auto-Übernachtens“ vergessen. Deshalb waren wir froh, daß wir zwar nicht das komfortabelste, aber immerhin ein Zimmer für die Nacht hatten. Diese Meinung verstärkte noch eine beobachtete Polizeijagd auf einen jugendlichen Mexikaner.

Nach einem dicken Abendessen in Denny’s (Salat, Suppe, Pommes, Hamburger) ging es glücklich, doch noch ein Zimmer gefunden zu haben, ins Bett. Eines hatten wir an diesem Tag gelernt: Niemals ohne vorherige Zimmerreservierung an einem Wochendende im Sommer die kalifornische Küstenstraße zu fahren.

Hier geht es zur Übersicht unserer Reise.

Tag 1Tag 2Tag 3Tag 4Tag 5Tag 6Tag 7Tag 8Tag 9Tag 10Tag 11Tag 12Tag 13Tag 14Tag 15Tag 16Tag 17Tag 18Tag 19Tag 20Tag 21Tag 22Tag 23Tag 24

Kommentare sind geschlossen.