Eistobel im Winter

EisgrotteNachdem die Temperaturen immer weiter in die Plusgrade gehen und sich ein wunderschöner Spätwintertag ankündigt, nehme ich vielleicht eine der letzten Gelegenheiten in diesem Winter wahr, den Eistobel mit seiner ganzen Eispracht zu besuchen.

Der Eistobel ist einer der schönsten und der berühmtesten Geotope Bayerns und liegt im westlichen Allgäu in der Nähe von Isny. Die Obere Argen hat über Tausende von Jahren eine Schlucht entstehen lassen, die vor allem im Sommer Scharen von Besuchern anzieht. Wasserfälle und Strudellöcher wechseln sich mit langsam fließenden Abschnitten ab, an denen nicht nur Wasseramseln zu beobachten sind.

Warnung: Im Winter ist der Eistobel offiziell geschlossen, was bedeutet, dass die Wanderwege nicht geräumt werden. Die Begehung ist daher nicht immer ganz einfach, zum Teil sogar lebensgefährlich, wenn der Schnee so hoch liegt, dass die Seilsicherung im Schnee versinkt und sich über den Wegen Eisflächen gebildet haben. Hat man dann keine Steigeisen oder mindestens Grödel an den Wanderschuhen, besteht die Gefahr, in das eiskalte Wasser zu stürzen. Da die Schlucht im Winter nur wenig Besucher anzieht und Handy-Empfang nicht überall gegeben ist, kann die lebensrettende Hilfe nicht immer schnell an Ort und Stelle sein. Deshalb sollten die Warnhinweise am Eingang zum Eistobel und auf diversen Internetseiten Ernst genommen und im Winter der Eistobel nicht ohne Sicherheitsausrüstung begangen werden. Mindestens Grödel sollten an die Schuhe geschnallt werden, mit Steigeisen hat man einen noch besseren Tritt. Bei Tauwetter besteht darüber hinaus die Gefahr, dass die Eisschicht beim Betreten einbricht und dass in den Eisgrotten Eiszapfen herunterbrechen, weswegen ein Schutzhelm ratsam ist. Wanderstöcke geben weitere Sicherheit beim Laufen über die abfallenden Eisflächen.

Der Einstieg

Am Eingang befindet sich ein Infopavillon, in dem man sich im Sommer über die Geologie, die Fauna und die Flora in diesem Naturschutzgebiet informieren kann. Hier bezahlt man auch im Sommer die Eintrittsgebühr von zur Zeit 1,50 Euro (Kinder 0,50 Euro); im Winter kann man einen freiwilligen Obulus leisten. Direkt dahinter beginnt der Abstieg durch den Wald zum Tobel. Ohne Grödel/Steigeisen können bereits die etwa 50 m nach unten zur Rutschpartie werden, da die Stufen und der Weg in der Regel vereist sind. Wer bereits hier ins Rutschen kommt, sollte von einem Besuch des Tobels Abstand nehmen.

Der 1. Abschnitt: problemlose Wanderung

Unten angekommen folgt man den Schildern flussaufwärts. Der gut begehbare Weg führt ohne Steigungen entlang des Flusses, vorbei an Wiesen und Bäumen. Es ergeben sich bereits hier – je nach Sonnenstand und Lichteinfall – interessante Motive. Mit etwas Glück kann man die Wasseramsel auf Nahrungssuche beobachten.

Nach etwa 20 Minuten können die ersten Eisvorhänge auf der anderen Seite des Flusses bestaunt werden. Die Schlucht wird nun zunehmend enger und der Fluss reißender. Große Felsbrocken liegen im Flussbett. Kaskaden, Wasserfälle und Strudellöcher geben interessante Fotomotive.

Die Eisgrotte

Nach weiteren 15 Minuten erkennt man rechter Hand etwas oberhalb des Weges die mächtigen Eisvorhänge der Sandsteinwand. Am Fuße der linken Wand, hinter den dicken Eiszapfen, kann man den Eingang zur Eisgrotte ausmachen. Bei meinem Besuch ist der Eisvorhang nahezu komplett geschlossen, nur auf der rechten Seite ist der Zugang über eine Eisfläche möglich.

Innen bietet sich ein beeindruckendes Schauspiel von Licht und Eis. Das Sonnenlicht lässt die blau-grünen Farben des Eisvorhanges intensiv leuchten. Klare, blaue und gelbe Eiszapfen hängen von der Decke. Das Tauwetter der vergangenen Tage hat allerdings die Anzahl der Eiszapfen, die innerhalb der Grotte von der Decke wachsen, reduziert und auf dem Boden eine Eisfläche hinterlassen. Eine Woche früher wäre eine Begehung der Grotte mit so viel Kopffreiheit sicherlich nicht möglich gewesen. Dieser Teil des Eistobels gehört für mich zu den beeindruckendsten Abschnitten der Schlucht. An diesen Eiswänden kann hin und wieder auch den Eiskletterern zugeschaut werden.

Der Große Wasserfall

Wenige Meter flussaufwärts kommt der Große Wasserfall. Das Wasser stürzt heute aufgrund des Tauwetters mit Wucht die 18 m hinunter. Fotografen sollten auch die moosbehangenen Äste eines Baumes am Wegesrand etwas unterhalb des Wasserfalles eines Blickes würdigen. Bei Sonnenlicht und den Wasserfall im Hintergrund ergeben sich schöne Motive.

Es kann gefährlich werden

Der Weg entlang des Flusses wird nun bei entsprechenden Witterungsverhältnissen und bei gefrorenen Wegen streckenweise relativ gefährlich. Mit Grödel/Steigeisen können diese Stellen jedoch problemlos überwunden werden. Weitere Eisvorhänge und Kaskaden prägen das Bild.

Der Wasserfall am Eissteg und Rückweg

Bedingt durch die ausgiebigen Fotosessions bin ich nach etwa 1,5 Stunden am Wasserfall am Eissteg sngekommen – bis zum Ende des Tobel wäre es dann aber nicht mehr weit. Dennoch entschließe ich mich umzukehren, um die Sonne im Tobel auszunutzen. Auf dem Rückweg ergeben sich aufgrund der weiter gewanderten Sonne, die nun nahezu den gesamten Tobel im Licht erscheinen lässt, immer wieder neue Eindrücke und es werden Details sichtbar, die auf dem Hinweg übersehen wurden. Nach insgesamt 3,5 Stunden komme ich wieder am Parkplatz an, wobei der Aufstieg zum Eingang mich nochmals ziemlich ins Schwitzen bringt.

Weitere Informationen

Der Bayerische Rundfunk hat am 9. Februar 2012 einen Beitrag über den Eistobel und seinen besonderen Reiz im Winter ausgestrahl, der hier angesehen werden kann.

Die offzielle Webseite gibt zusätzliche Informationen zum Besuch dieses Naturschutzgebietes.

Knapp 20 Autominuten entfernt liegen die Scheidegger Wasserfälle, die es ebenfalls Wert sind, im Winter besucht zu werden.

Galerie

 

Auf einen Blick:

Allgemeines Rating:
Fotografische Highlights:
Schwierigkeitsgrad des Hikes im Winter:
Schwierigkeitsgrad der Straße: , der Parkplatz am Eingang zum Eistobel ist bei jedem Weter und mit jedem PKW erreichbar
Länge des Hikes: je nach Variante 3,5 bis 9 km (vgl. offizielle Webseite); die in diesem Artikel beschriebene Variante: ca. 5 km
Zeitbedarf: je nach Variante 1,5 bis 4 Stunden; die in diesem Artikel beschriebene Variante (inkl. ausgiebige Fotosessions): ca. 3,5 Stunden
Trailhead: am Parkplatz
Gebühren: 1,50 Euro Erwachsene, 0,50 Euro Kinder (Stand: Februar 2012)
Gefahren: vereiste Wege, keine zum Fluss hin gesicherten Wege
Eignung für Kinder: ja (ab etwa 8 Jahren) mit entsprechender Sicherheitsausrüstung
Sonstiges: Handy-Empfang ist nicht überall möglich; im Winter sind Grödel oder Steigeisen Pflicht


Eistobel auf einer größeren Karte anzeigen

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